Der Komplettumbau des ORION UK FOTONEWTON

Nach langer Überlegung, ob es sich auszahlt den Orion Fotonewton so umzubauen, dass er der Anforderung als Fotomaschine eignet, oder besser so wie er ist zu verkaufen, mussten mal die eigentlichen Schwachpunkte des Orion UK Fotonewton herausgefunden werden.

Dank Gerhard Balda stand mir ein Spezialist im Teleskopbau sondergleichen zur Verfügung.

Folgende Probleme waren beim Orion UK zu beheben:

Stabilität des TS Crayford Auszuges: Dieser war für die 1,4 kg schwere ST2000xm mit CFW8 Filterrad zu schwach. Der Auszug konnte nur in der allerfestesten Fixierung die Kamera bewegen. Manchmal war man sich beim Feinschliff am Fokus unsicher, ob die kleine Korrektur am 1:10 Rad auch tatsächlich als solche ausgeführt wurde. Somit war das Fokusieren grundätzlich mal besser - mal schlechter.

Weiters war durch das Einsetzen des Lasercollis zu erkennen, dass der Ausug unter dem Gewicht der ST2000 die Justage verlor... Simulierte man mit der Hand in etwa das Gewicht der Kamera, änderte sich der Laserpunkt auf der Mittenmarkierung des HS in etwa um 10 mm (aus der Mitte). Meiner Einschätzung nach kam in etwa die Hälfte dieser Instabilität durch den OAZ bzw. durch eine Verwindung des Auszugrohres im Gehäuse des OAZ. Für die Verwendung einer DSLR ist die gesamte Stabilität m.M. nach locker ausreichend. Der Fairness halber muss man aber auch sagen, dass eine hochwertiger Auszug fast die Hälfte (oder auch mehr) des kompletten Orion UK in 8" kostet.

Am Markt gibt es ein paar verschiedene Newtonauszüge... Da ich in diesem Fall aber keinen Kompromiss eingehen wollte, entschied ich mich für den Starligth Feathertouch. Zugeschlagen habe ich bei astrotheke Die Beratung war zuvorkommend und kompetent. Die Lieferung erfolgte durch die spezielle Anfertigung der CNC gefrästen Basis nach ca. 1 Monat.

Die Mechanik war besser als beim originalen Auszug. Jedoch stellte ich fest, dass der die angegebenen 2.5kg nicht senkrecht nach oben verstellen konnte. Eine Urgenz beim Lieferanten war die Folge. Sofort wurde mir Ersatz zugesendet. Dieser war dann um einiges besser und konnte auch 3 kg. vertikal fein verstellen.

Auffällig war mir noch, dass der Auszug lediglich mit 2 Wurmschrauben an der Basis befestigt ist. Dies erschien mir als sehr schwach. Gerhard Bald fräste an den 4 Ecken nochmals die passenden Löcher, bohrte das 3mm Gewinde und fixierte den Auszug nur bombenfest an der Basis.

Stabilität des Tubus: Letzte Zweifel, ob der Tubus nun stabil genug oder eben nicht ist, räumte der oben beschriebene "Test" für mich aus. Aus den 10mm am HS ist m.M. nach 5mm der OAZ und 5 mm der Tubus "schuld". Also nahm ich mit Gerd Neumann Kontakt auf und im Gespräch konnte mir Gerd Neumann nur bestätigen, was ich bis dahin glaubte. Für meine Anforderungen wären ohne Versteifungsringe ein Hartpapiertubus mit 5 mm Wandstärke notwendig. Gesagt - getan - bestellt. HP Tubus von Gerd Neumann

Nach ca. 14 Tagen wurde das nach exakt meine Daten gefertigte Rohr geliefert. Um die restlichen Komponenten wie HS Fasssung - Spinne und Rohrschellen noch verwenden zu können, erhöhte ich den Innendurchmesser nur um ein oder 2 mm auf 230mm. Allerdings waren durch die jetzige Wandstärke der Aussendm. beträchtlich größer. So musste ich

  • meine Spinne, die ich schon vor längerer Zeit anfertigen ließ, mit neuen längeren Muttern ( danke - Drehen und Mehr)
  • die HS Fassung mit Aluplättchen im Sinne von Beilagen auf jeder Seite um 1.5mm unterlegen
  • und die Tubusschellen, dessen Umfang nun um ca. 4cm größer sein mußte, mit Langmuttern und Gewindestange verlängern.

Weiters wurden bei dieser Gelegenheit auch die Tubusschellen mit jeweils 4 Schrauben ziemlich am Rand der Schellenböcke fixiert. Auf den Tubus und die Schellen wirken nicht nur Kräfte der Länge, sonder auch bei tieferen Dekl auch in erster Linie quer zu dessen Richtung nach unten. Und genau dort konnte man auch eine Unsicherheit bzw. einen schlechten Kraftschluss sehen, indem die Schellen beim oben beschriebenen Druck bis zu 1mm vom Schellenbock abhoben.

Nach der Lieferung des Rohres wurde mal eine grobe Kontrolle vorgenommen. Ups - das ist schön schwer. Der Tubus wog knapp 4kg. Aber gleich danach wurde die Stabilität des Rohres per Druck mit 2 Händen getestet - wow - da geht nichts!!! wenn das nicht stail ist. Ebenso war das Rohr super rund und auch der Schnitt per Maschine an den Enden des Rohres war perfekt. Das motiviert.

Nachdem ich also die restlichen Kleinigkeiten besorgte, konnte ich damit beginnen, den "alten" Orion Newton in seine Bestandteile zu zerlegen. Ansich alles ganz einfach. Als ich nun alle Komponenten ausgebaut habe, war nun der leere Alutubus vor mir - also auch mal drücken und schauen wie stabil - oh da muss man aufpassen dass das Rohr nicht zusammenknickt!!!!- nichts in der Hand. Ganze 950 Gramm zeigt die Küchenwaage.

Mit Gerhard wurde dann alle Maße ausgerechnet - profimäßig alles gebohrt und zum Lackierer gebracht. Schneeweiss - so wie original, war er nun wieder. Schön.

Schutlafellack von Gerd Neumann rein. 2 x mit Rolle gestrichen - schön matt. Allerdings muss ich hier trotzdem anbringen, dass beim Reinleuchten mit der Taschenlampe schon Reflexe da sind. Besser als mit dem normalen Schultafellack aus dem Baumarkt, aber erkennbar. Angeblich gibt es noch Lacke, die noch "matter" sind, aber auch wirklich teuer sind. (200 Euro pro kg). In der Praxis hatte ich aber keine Reflexe!!

So, nun konnte ich endlich alles wieder zusammenbauen - lustige Arbeit.

Justage - Bereits durch die vielen Versuche am Newton und durch meinen ersten 11" Newton wußte ich bereits wie ich vorgehe und auf was ich genau aufpassen muss. Nämlich vor allem auch, dass in der richtigen Position des Fangspiegels auch die Spinnen exakt spiegelgleich ausgerichtet sind, da sie sonst als doppelte Spikes auf den Bildern erscheinen. Auch die Vorlagen von Ekkehard Pteng pteng sind hier toll und nützlich seine Vorlage mit den eliptischen Kreisen auf Overheadfolie ausgedruckt (und den Offset mit Fineliner markiert) helfen toll.

Der am Originalgerät durchgeführte Drucktest mit Lasercolli war um mindestens 90% besser verlaufen. Der Laserpunkt bleib auch bei starken Druck am OAZ nun innerhalb der Mittenmarkierung am HS.

2 Staubkappen fertigte ich mir aus je 2 zusammengeklebten 2mm dicken weissen Plastikplatten an (eine paßt in den Tubus die andere ist ident mit dem Aussendm) an.

Fertig.

Montage auf der Montierung

First ligth.

Schon beim Fokusieren war alles viel einfacher - kleine Veränderungen am OAZ zeigten sich gleich am Livebild am Notebook am Sterndurchmesser. Auch die bei Aluminium starke temperaturabhängige Längendifferenz, war nun beim HP Tubus um vieles geringer. Der Fokus war nun im Laufe der Nacht fast immer gleichbleibend. Dazu noch später mehr, wenn genauere Erfahrungen vorliegen.

Bei sehr tiefen Temperaturen (minus 10°C und mehr) verbunden mit hoher Luftfeuchtigkeit kann zu Beschlag von Eiskristallen führen. Durch diesen Umstand ist es mir passiert, dass beim Fokusieren am 1:10 Knopf keine Bewegung durchgeführt wird. Ich drehte den OAZ ganz raus und wischte mit einem Papier die Kontaktfläche der Anpressrolle trocken. Sofort war das Problem behoben.

Im März 2009 ergänzte ich mein Teleskop mit dem QSC von Starlight Components. Dieses System bietet

  • eine auf die Umgebungstemperatur bzw. Spiegeltemperatur gesteuerte Lüftung
  • Einen elektronischen Fokusiermotor, welcher auch einen lichtstarken Newton perfekt in den Fokus bringt
  • Eine Kompensation der temperaturbedingten Fokusdrift - dazu muss die Längenänd. in Digits pro °C eingegeben werden.

Hierzu gibt es in der Category "Zubehör" noch einen ausführlicheren Bericht.

Bis jetzt war der Umbau trotz nicht ganz geringer Investition ein für mich 100%iger Erfolg.

Danke Gerhard!!!!!