Astrophysics AP1200 GTO

Astrophysics AP1200 GTO

Mein erstes Sahneteil .....


Zu Beginn der Astrofotagrafie kommen eine ganze Menge verschiedener Ausgaben auf den Astronomen zu. Fernrohr,  Montierung, Kamera u.s.w. 
Aber irgendwann will man doch auch echte Qualität kaufen.

Die Montierung - als Basis  - war das erste Teil in dieser Liga...

  • Tragkraft,
  • Nachführgenauigkeit,
  • eine intelligente Steuerung...

sind ein paar Argumente.

Mit 85mm Rektaszensionsachse und 60mm Deklinationsachse wird die Montierung mit einer Tragfähigkeit von 63kg angegeben.
Laut Erzeuger und mehreren Erfahrungsberichten ist dies noch relativ solide angegeben.

Das Schneckenrad der Rektaszension und Deklination besteht aus Messing hat einen Durchmesser von 262mm (DE 183mm)  und 225 Zähne. Der Schneckenfehler kommt durch die langsame Schneckendrehung sehr ruhig und ist laut Hersteller im Bereich von +/-5". Die Schnecke selbst besteht aus Bronze.

Ich habe versucht, den periodischen Schneckefehler mit Hilfe von PemPro zu analysieren und reduzieren.

Hier ein Bild des Periodischen Fehlers nach der ersten Schneckenumdrehung:

Nach 5 Schneckenumdrehungen sieht das Ganze so aus, dass ein gemittelter periodischer Fehler von +2,8/-3,3" besteht.

Pempro sendet die geglättete Kurve an die Steuerung
Nach der Prozedur ist der PE im Bereich von ca. +/- 1"

Der Antrieb der Schnecken wird NICHT durch Schrittmotoren, sondern von Servo (Gleichstrom) Motoren übernommen. Zusätzlich sind Encoder auf den Schnecken montiert, die eine Umdrehung in 4000 Schritte (= ca. 0,1°) auflöst. So ist eine genaue Positionierung im Goto erreichbar. Positionierung bis 1200fache Sterngeschwindigkeit sind relativ laut und meiner Meinung nicht sinnvoll. Ich arbeite mit 600facher Goto Geschwindigkeit.

Leider ist es mir gerade beim Testen der extremsten Teleskoppositionen in Ost uns Westlage passiert, dass sich das RA Motorkabel bei der Rändelschraube, die die beiden Montierungshälften fixiert, eingehängt hat und in weiterer Folge abgerissen wurde. So wurde ein Kabelsatz bei Baader bestellt und ausgetauscht. Laut Baader passiert das auch erfahrenen Astronomen Undecided.   Nun weiß ich, dass solche Posiotionen, die weit über den Meridian hinausgehen, diesbezüglich gefährlich sind. Hier unterscheidet sich die AP1200 z.B. von der Paramount ME, die gerade im Remotebetrieb dafür angeglich nicht anfällig ist. Die AP1200 ist lt. Hersteller weniger für den Remotebetrieb ausgelegt.

Die Montierung ist in 2 Teilen zerlegbar. Gesamtgewicht ohne Gegengewichtstange: 47 kg.  Sie wäre evt. auch als transportabel verwendbar, jedoch m.M. nur mit großem Einsatz.

Die Steuerung der AP1200 ist (in meinem Fall CP3) in der Montierung integriert. Sie bietet sehr viele praktische Programme.

  • PEC Korrektur - auch wenn die Spannung getrennt wird, geht diese Korrektur nicht verloren.
  • Autoguider Schnittstelle,
  • Polausrichtung mit Staralign,
  • Viele Katalogen zum Auffinden aller möglichen Objekte......

Die Bedienung verläuft über die große Handsteuerung. Natürlich muss man sich auf jede Steuerung ein bzw. umstellen, jedoch ist die Bedienung einfach und verständlich.

Ich betreibe die Positionierung zur Zeit nur über die Handsteuerbox und nicht über den PC, obwohl das mit einem Seriell / USB Adapter problemlos möglich ist.

Ich habe die Montierung gebraucht aber neuwertig im Dezember 2010 gekauft.

Der Säulenadapter, der auf die Säule geschweist wurde, war aus einer 25mm dicken Stahlplatte und passend gedreht, sodass der Astrophysics "Rotationsadapter" super draufpasste.

Die erhältlichen Adapter sind qualitativ super und ermöglichen eine schnelle und präzise Aufstellung. Die ersten Aufnahmen konnte ich dann am 20.12.2009 gewinnen.

In der Praxis hat sich die Montierung BESTENS bewährt. Die Teleskopseitige Beladung mit den stabilen 8" Newton, 80 mm TMB Apo inkl. 5,2kg schweren CNC Aluschellen, 2 CCD Kameras inkl. Filterräder ist überhaupt keine Belastung für die Montierung. Gesamtgewicht teleskopseitig geschätzt 29kg.

Die Poljustage wurde Anfangs nur mit dem Polsucher durchgeführt. Zu wichtig waren mir die schönen Nächte und es wurde jede klare Stunde zur Belichtung genützt.

Eines Abends ist es dann aber doch passiert und der Leitstern ging verloren. Die nachfolgenden Bilder zeigten nun doch einen großen Fehler in der Poljustage. Ich überprüfte sodann mit Webcam und dem Programm "Webcam scheinern" und korrigierte in RA vorallem aber in der Polhöhe.

Mit dem Newton bin ich beim Scheinern nicht fertig geworden. Immer wieder waren Korrekturen notwendig. Das führe ich auf meine kleine und feine Fangspiegelspinne zurück. Der 70mm FS würde eine stabilere (dickere) Spinne benötigen. Ich führte dann die Ausrichtung mit meinem kleinen Apo durch und kam so sehr zügig zum gewünschten Ergebnis.

Die Nachführung........

Die Korrekturen während dem Aufnehmen mit der SBIG Kamera sind bei 1000mm Brennweite kaum von den Seeingbedingten "Korrekturen" in DE zu unterscheiden. Im Abstand von ca. 5 sek ist die Korrektur bei ca. 0,2 - 0,5 Pixel. (also kaum vom Seeing zu trennen)

Absolut super ist die Steifigkeit. Leichter Wind kann dem Bild nichts anhaben. Schwingungen nicht im geringsten erkennbar.

Stand. April 2010: Kein einziges der ca. 100 Bilder musste wegen eines Guidingsfehler ausgeschieden werden. Jedes einzelne Bild weist kreisrunde Sterne auf.

Die Investition hat sich wirklich ausbezahlt und gibt grünes Licht für eine evt. Investition in Richtung größere Optik.

 


Update September 2010:

Es ist ein paar mal passiert, dass der Leitstern aus mir unerklärlichen Gründen aus dem 32x32 Pixel kleinen Guidefenster gerutscht ist.

Ich dachte an Softwareprobleme. Es war nützlich, dass ich während dem Guiding ein Guideprotokoll gespeichert habe. Dort war der Fehler dann in Zahlen zu finden.

Was passiert, wenn eine Montierung, die einen PE von +/- 1" hat, auf einmal einen schönen Leitstern innerhalb von ein paar Sekunden aus dem Fenster verliert?

Ich habe mein Problem auf der User group von Maximdl gepostet und dort wurde ich eher auf einen mechanischen Fehler hingewiesen.

Die Suche begann und schnell habe ich den (vermutlichen) Fehler gefunden.

Ich positionierte das Teleskop auf jene Region, in der der Fehler aufgetreten ist und stellte fest, dass durch meinen kleinen Apo ein starkes Ungleichgwicht in DE auftrat.

In dieser Position hat dann die kleine Luft zwischen Schneckenrad und Schnecke gereicht, dass der Leitstern aus dem Fenster sprang, da erst in dieser Posiotion das Übergewicht auf die Ostseite gekommen ist.)

Ich habe nun die DE Achse besser ausbalanciert und ich gehe davon aus, dass der Fehler nicht mehr auftritt.

Update Juni 2011:

Seit ein paar Monaten verwende ich nun den 14,5 Zoll Newton auf der Montierung.

Zum Einen wird die AP1200 mit den 35kg des Fernrohres plus ca. 5 KG Zubehör  mit Leichtigkeit fertig

und zum Anderen ist der oben beschriebene Fehler, dass der Leitstern plötzlich aus dem Fenster springt, nie mehr passiert.

Somit ist die Vermutung, dass dies durch ein Ungleichgewicht geschiet, bestätigt.

Von der Nachführung her sind die 1330mm keine große Herausforderung. Trotzdem ist die Auflösung von 0,84" / pixel schon eine technische Herausforderung ans Equipment.

Bei schlechtem Seeing ist das schwieriger, als bei gutem Seeing bzw. das Finden der richtigen Parameter ist schwieriger.

Update Mitte 2012:

Ich habe die Montierung nach Deutschland an einen Amateurastronomen verkauft.

Ich wünsche mit dem Sahneteil viel Erfolg und Freude.